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Gerade im Ausbau;)

Studieren mit Kind

Familiengerecht – ein Prädikat mit dem sich die RWTH bereits seit einigen Jahren bezeichnen darf. Für studierende Eltern der reinste Hohn. „Wir brauchen keine Wickelräume im Kármán.“, sagt Lara Weddeling, eine junge Mutter, die ebenso wie ihr Mann einen Ingenieursstudiengang besucht. Das sei zweitrangig. “Ich hätte mir gerne eine zentrale Stelle gewünscht, wo wirklich alle meine Sorgen geklärt würden. Ich habe mich als schwangerer Erstsemestlerin, in einem männerdominierten Studiengang, einfach himmelhoch überfordert gefühlt.”

Was sie wollte war eine Möglichkeit ihr Studium nach der Geburt fortzusetzen – ohne unnötige Verzögerung und mit dem Kind in sicheren Händen. Aber Module müssen innerhalb weniger Semester belegt werden, Prüfungen vorzuziehen ist Kulanzsache der Dozenten, kein Recht für jede Mutter oder jeden Vater und wenn die Eltern gleichzeitig im Laborpraktikum sind – Pech gehabt. „Zu wenig Flexibilität im Bologna-System“, klagen viele Studenten. Für Lara mit ihrem Mann und andere Eltern ein Problem der besonderen Dimension. Nur den Dozenten ist es zu verdanken, wenn man Lösungen findet. Auch für studierende, die nicht Aachen as hauptwohnsitz haben gibt es Probleme. Da die Stadt die Kitas betreut, muss man dafür in Aachen gemeldet sein, noch schwieriger wird es bei Studierenden aus Vaals.

Überfüllte Kitas mit Warteplätzen, ein sehr engagiertes aber leider über(ge)fordertes Eltern-Service-Büro. Beides beweist, dass familiengerechtes Studieren ein wichtiges Thema und ein Problem ist. Ein zentrales Angebot an Beratung, meint Lara, wäre schon einmal ein Anfang. Vernetzung und Flexibilität der Studiengänge – zum Beispiel durch Halbtagsstudium, das es an anderen Universitäten bereits gibt. Es ist ein langer Weg dahin, aber man sollte sich nicht zwischen Familie und Studium entscheiden müssen, denken wir. Teilweise, wie der Neubau von Betreuungseinrichtungen zeigt, sieht dass auch die RWTH. Ein Anfang und ein guter Ansatz. Aber das reicht nicht. Auch der AStA sollte sich aus dieser Diskussion und dem Prozess des Ausbaus nicht ausschließen. Das Mindeste, was wir machen sollten, ist es eine Beratung mit Eltern-Netzwerk anzubieten. Oder einfach Druck auf die Hochschule machen: „Warum kein Halbtagsystem, warum Veranstaltungen bis halb Acht trotz Kitaschluss um Fünf?“ Daher fordern wir gemeinsam mit vielen Müttern und Vätern:

- ein Recht auf einen Hochschulinternen-Kita-Platzm für jeden Studenten unabhängig vom Wohnort!
- Familienwohnungen, ohne große Wartezeiten von bis zu einem Jahr!
- keine anwesenheitspflichtigen Veranstaltungen nach 17 Uhr!
- eine zentrale Beratungsstelle! (Das Eltern-Service-Büro braucht mehr Unterstützung, muss ausgebaut werden, sollte auch zu studiengangspezifischen Problematiken Auskunft geben können, vielleicht durch eine Eltern-Kartei bzw. ein ausgebautes Forum!)
- einen Paragraphen in jeder Studienordnung, der die Problematiken von studierenden Eltern, unmissverständlich klärt!(Versäumte Klausuren durch Krankheit oder einer fehlenden Betreuungsmöglichkeit des Kindes, Sonderregeln für Laborpraktika, alternative Prüfungsformen durch Schwangerschaft und Geburt)

(Vielen Dank an Lara und andere Mütter, die auf uns zugekommen sind und uns auf dieses Problem gerade für technische und naturwissenschaftliche Studiengänge gestoßen haben.)